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Aufwertung der Timmelsjoch Hochalpenstraße startet

30. July 2009

Gemeinsam nehmen Süd- und Nordtirol die Aufwertung der Timmelsjoch Hochalpenstraße in Angriff. In Zukunft sollen alle straßenbaulichen Maßnahmen möglichst ökologisch umgesetzt und der Straße ihre ursprünglich harmonische Einbindung in die Natur zurückgegeben werden. Zusätzlich wird das EU-Interreg-Projekt „Erlebnisstraße Timmelsjoch“ verwirklicht.

Die Timmelsjoch Hochalpenstraße wurde auf Südtiroler Seite in den 60er Jahren auf Grundlage einer alten Militärstraße gebaut und genau vor 40 Jahren ihrer Bestimmung übergeben. Neben der Stilfserjochstraße gehört sie zu den technisch aufwändigsten Passstraßen in Südtirol. Diese einzigartigen Alpenstraßen können nur mit großem finanziellen Aufwand und ständigen baulichen Eingriffen in Stand gehalten werden. Im Jahr 2006 hat die Südtiroler Landesregierung beschlossen, auf der Südtiroler Seite der Timmelsjochstraße eine Maut einzuheben. Dies wurde durch die Timmelsjoch Hochalpenstraßen AG übernommen, die auf Nordtiroler Seite für die Straße verantwortlich zeichnet.

Aufwertung, aber kein Ausbau!

„Es war dies ein erster Schritt zur Einführung der Maut auch auf anderen Passstraßen Südtirols. Mit den Einnahmen sollen die Timmelsjoch Hochalpenstraße und in der Folge auch weitere Passstraßen aufgewertet werden“, erklärt Dr. Florian Mussner, Landesrat für öffentliche Bauten. Dabei ziele man aber keinesfalls darauf ab, mehr Fahrzeuge auf die Panoramastraßen zu locken, um die Einnahmen zu steigern. „Das Anliegen der Landesregierung und mein persönliches ist es, den Individualverkehr auf unseren Pässen in Grenzen zu halten. Auch gute öffentliche Transportangebote könnten die Mehrheit zum Umsteigen bewegen. Dadurch sollen die Belastungen für Natur und Umwelt in unseren ökologisch hochsensiblen Berggebieten verringert und die Instandhaltungskosten gesenkt werden“, stellt Landesrat Dr. Florian Mussner klar.

Naturnahe und sichere Gestaltung

„Die Timmelsjoch Hochalpenstraße war ursprünglich eine harmonisch in die Landschaft integrierte, technisch ausgereifte und moderne Straße – schlicht und einfach ein schönes Bauwerk. Die Stützmauern entlang der Trasse wurden aus ortstypischen Natursteinen ausgeführt, ebenso wie Wehrsteine, Brücken und alle andere Kunstbauten. Diese architektonische Harmonie hat die Straße im Lauf der letzten Jahrzehnte eingebüßt“, erläutert Dr. Arch. Josef March, Ressortdirektor für Bauten und Vermögen. Seit der Übernahme der Passstraßen durch das Land Südtirol ist das Bautenressort des Landes bemüht, die Fehler der Vergangenheit auszumerzen. Dem Straßenbild soll wieder seine ursprüngliche, landschaftsintegrierende Form zurückgegeben werden.
 
„Dabei sind wir zur Überzeugung gekommen, dass es eines einheitlichen gestalterischen und architektonischen Gesamtkonzepts für diese hochalpine Straßen mit so sensibler Umgebung bedarf“, erklärt Landesrat Dr. Florian Mussner. Dr. Arch. Werner Tscholl und Ing. Siegfried Pohl haben im Auftrag der Landesregierung einen Masterplan erarbeitet, der eine Marschroute für die nächsten Jahre und Jahrzehnte vorgibt. Das Konzept umfasst bauliche Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit (Erneuerung von Stützmauern, Hangsicherungsarbeiten, Ausbau der Kehren, Eliminierung von gefährlichen Stellen, Ausbesserungen des Straßenbelages) und gestalterische Maßnahmen für die verschiedenen Straßenelemente und Parkplätze mit Vorgaben für eine bessere landschaftliche Einbindung.

„Die Timmelsjoch Erfahrung“

Parallel zu den straßenbaulichen und sicherheitstechnischen Anstrengungen haben die Gemeinde Moos im Passeier und die Timmelsjoch Hochalpenstraßen AG gemeinsam mit Dr. Arch. Werner Tscholl ein Konzept zur Musealisierung der Straße entwickelt. „An strategisch gewählten Haltepunkten auf Süd- und Nordtiroler Seite werden fünf Stationen errichtet. Diese sollen den Reisenden über die vielfältige Natur, Geschichte, Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft der Region informieren und so seinen Horizont erweitern“, erklärt Dr. Maria Gufler, Gemeinderätin in Moos im Passeier und Initiatorin des Erlebnisstraßenprojektes, das auf den Namen „Die Timmelsjoch Erfahrung“ getauft wurde. Timmelsjoch Hochalpenstraßen AG-Vorstand Mag. Manfred Tschopfer schildert das Zustandekommen der grenzüberschreitenden Initiative folgendermaßen: „Die Timmelsjoch Hochalpenstraße feiert heuer ihr 50-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass war ursprünglich die Errichtung eines Kleinmuseums auf der Passhöhe geplant. Vor drei Jahren ist dann Initiatorin Dr. Maria Gufler mit der Idee eines Erlebnisstraßenkonzeptes an uns herangetreten. Das ursprünglich geplante Passmuseum wurde in das Gesamtkonzept integriert und nach zweijähriger Vorbereitung ein gemeinsames Interreg-Projekt eingereicht. Im Frühjahr bekamen wir von der Europäischen Union die Genehmigung und sind gefordert, das Erlebnisstraßenkonzept bis 2011 zu verwirklichen.“ Ihr Ziel erklären die Projektbetreiber aus Nord- und Südtirol unisono: „Wir wollen den Mautzahlern einen Mehrwert bieten und damit auch nachhaltige wirtschaftliche Impulse für die gesamte Region schaffen.“ Die Investitionskosten für das Erlebnisstraßenprojekt belaufen sich auf insgesamt 1,77 Mio. Euro, wobei die Timmelsjoch Hochalpenstraßen AG eine Mio. Euro und die Gemeinde Moos i. P. 770.000 Euro investiert.

Das architektonische Konzept der Erlebnisstraße

„Für die Gestaltung der Stationen, an welchen den Passreisenden Informationen vermittelt werden sollen, gilt dasselbe wie für die Straßengestaltung. Es soll keine zusätzliche Farbbelastung auf den Hängen des Timmelsjochs geben. Alle neuen Elemente treten durch die Material- und Farbanpassung in den Hintergrund. Um die nötigen Informationen zu vermitteln kommt ein durchgängiges System von Gestaltungselementen zum Einsatz, welches die dazugehörenden Erlebnisfaktoren einschließt. Alle Gestaltungselemente stehen mit Begriffen in Bezug zur Landschaft und zur Topografie des Ortes wie beispielsweise Aussicht–Rasten–Sitzen, Schauen–Fernrohr, Fels–Steinschlag, Kehren–Wehrsteine–Betonleitplanken, Pioniere–Aussichtsplattform oder Schmuggler–Saumpfade. Um diese Begriffe in architektonische Elemente zu formen wird eine künstlerische Annäherung gewählt. Die Umsetzung erfolgt in Form von Architektur-Skulpturen. Im Vordergrund steht die Emotionen fördernde Wirkung“, erklärt Dr. Arch. Werner Tscholl sein architektonisches Konzept.

Saisonende! Über die Timmelsjoch Hochalpenstraße wurde die offizielle Wintersperre verhängt. Das Motorradmuseum und das Panoramarestaurant haben auch im Winter geöffnet!

 
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