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Geschichte

Eine Nord-Süd-Verbindung mit großer Geschichte

Das Timmelsjoch ist die tiefste unvergletscherte Kerbe im Alpenhauptkamm zwischen dem Reschen- und Brennerpass. Der Weg über das Timmelsjoch führt, siedlungs- und kulturgeschichtlich betrachtet, eigentlich vom Passeiertal in Südtirol herüber in das Ötztal. Sogar der Name des Joches und des in das Ötztal führenden Timmelstales sind mit Almwirtschaft und Weiderechten aus dem Passeier gekommen. Der Fund einer Fibel (Gewandspange) aus der La Tene-Zeit um 300 v. Chr. im Bereich der Schönbodenlacke bezeugt die Begehung des Passes für die vorchristliche Zeit. Aber schon die steinzeitlichen Hirten und ihr Weidevieh, die innerhalb von Obergurgl ab 6.300 v. Chr. nachgewiesen sind, dürften den Übergang benutzt haben. Noch über 50 Jahre vor der ersten Nennung des Brennerpasses ist das „Thymelsjoch“ 1241 in einem Brief der Grafen von Eschenlohe aus Oberbayern aus der Gegend von Weilheim erstmals urkundlich erwähnt. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war übrigens „Timmeljoch“ die vorherrschende Schreibweise. „Timmelsjoch“ hat sich erst mit dem Straßenbau durchgesetzt.

Der uralte Pfad war einer der vielen Wege, die in Tirol einen nachbarlichen Wirtschaftsverkehr ermöglichten und von größter sozialer Bedeutung waren, auch kulturell, politisch und religiös. Als direkteste Verbindung zwischen dem Oberinntal und der alten Landeshauptstadt Meran mit Schloss Tirol ist das Timmelsjoch lange Zeit bedeutender Verkehrsweg. Solange es kaum ausgebaute Fuhrwege gab, suchten Fußreisende, Kraxenträger und auch Leute, die Waren mit Rössern und Maultieren säumten, nicht den bequemsten, sondern den kürzesten Weg. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit – vor allem von Ende des 13. bis Anfang des 15. Jahrhunderts – erlebte der Handel über den Timmel eine Blüte. Die berühmten Ötztaler Kraxenträger transportierten 100 Kilogramm pro Weg und verdienten mit dem Austausch von Flachs, Vieh, Speck und Schmalz gegen Wein, Branntwein und Essig ihren Lebensunterhalt. Da war eine elementare Schule des modernen Alpinismus gegeben. Es ist kein Wunder, dass eine seiner Wiegen das Ötztal ist.